Dienstag, 8. Januar 2013

Gentrifizierung - Ein Märchen

Es war einmal, vor nicht all zu langer Zeit, da lebten die Berliner in ihren bescheidenen Hütten  glücklich und zufrieden. Sie konnten auf  Fußwegen ungefährdet wandeln, in kleinen Kneipen an der Ecke Freunde treffen, kannten ihre Nachbarn und fanden Zeit für ein kleines Gespräch. Ihre Nachkömmlinge brachten älteren Mitbewohnern Anstand entgegen, konnten sogar grüßen und machten auf  Gehwegen Platz.  Aber dann suchte die böse Hexe Gentrifizierung das beschauliche Ländchen heim. Sie belegte es mit einem schrecklichen Fluch. Schickte Heerscharen fremdartiger Wesen in das Land, um alles an sich zu reißen. Die überraschten, wehrlosen Ureinwohner schweben seitdem in ungeahnten Gefahren. Ihre beschaulichen Hausungen wurden besetzt. Wo einst gemütliche Gastwirtschaften,Tanztavernen und Krämerlädchen waren, entstehen Prunkpaläste und Edelwirtshäuser. Vielen blieb nur die Flucht in bisher unentdeckte Randgebiete. Die tapferen Widersacher sind permanenten Attacken  ausgesetzt. Sei es von Rad fahrenden  Eroberern mit ihren in Minikutschen sitzenden Sprösslingen, pseudointellektuellen Biokostverehrern oder überselbstbewussten  Altmüttern . Ihre Lage scheint schier aussichtslos.  Die Ureinwohner warten sehnsüchtig auf eine gute Fee, die ihr Land von diesem Fluch befreit. Gibt es Hoffnung?? ?