Dienstag, 15. Januar 2013

Homerecording - (M)Ein eigenes Tonstudio

Wer selbst musiziert, egal welches Instrument oder sich dem Gesang verschrieben hat, der wird früher oder später sich mit der Thematik Ton- und Studiotechnik auseinandersetzen. Sei es zu Übungszwecken, eine häusliche Jam Session, die Umsetzung eigener Musikprojekte bis hin zur finalen Songproduktion.
Ein nicht unbeachtlicher Vorteil des heimischen Tonstudios ist sicherlich die Flexibilität. Man hat Zeit seine Ideen umzusetzen, ist unabhängig von Terminen professioneller Studios, kann Projekte jederzeit ändern und auf eigener Festplatte oder Digitalrecorder speichern.
Je nach persönlichen Anforderungen und vorhandenem Geldbeutel kann man sich seine eigene Konfiguration zusammenstellen und zukünftig anpassen.

Was gehört nun zur Grundausstattung eines Homerecording Tonstudios ?

Diese Frage ist pauschal nicht zu beantworten.  Deshalb versuche ich es an (m)einem Beispiel zu erläutern. Ich spiele selbst aus Spaß an der Freude E-Gitarre. Hauptsächlich nutze ich mein Equipment  zum Üben oder für mich entspannende Jam Sessions. Ohne den Ehrgeiz zu haben, die Charts zu erklimmen, versuche ich mich auch an eigenen Songideen.



Grundsätzlich kann man zwischen zwei Grundkonfigurationen unterscheiden, die natürlich auch  miteinander kombinierbar sind. Eine Variante ist ein  portables Kompaktstudio. In ihm vereinen sich alle notwendigen Komponenten für Recording . Ich selbst habe das Boss BR 600.



Die zweite, wohl verbreitetste Art, ist computerbasiertes Homerecording. Deshalb beschränken sich die weiteren Ausführungen auf diese Variante.




Zu  (m)einer Grundausstattung gehören (exemplarisch für Gitarristen):

1. Multimedia Computer/ Laptop

Mittlerweile sind Consumer Computer sowohl von der Prozessorleistung, als auch vom Speichervermögen als Recording - Werkzeug durchaus brauchbar. Die Zuverlässigkeit steigt mit zunehmender Prozessorleistung und schnellerem Arbeitsspeicher/Festplatte.
Ich benutze einen Laptop mit Windows Betriebssystem, Intel (R) Core(TM) Duo CPU, 2.00 GHz, 3 GB Arbeitsspeicher.
Neben der reinen Rechnerleistung sind andere Aspekte bei der Auswahl zu bedenken. Gerade bei Mikrofonaufnahmen können Lüftergeräusche oder klackernde Festplatten sehr störend sein.
Der "normale" Multimedia - Computer mit seinen onboard Soundkarten ist den Anforderungen als "Recorder" nicht ganz gewachsen.  Hierfür bedarf es einer Erweiterung der Audio Hardware.

2. Soundkarte / Audio Interface

Soundkarten verarbeiten analoge und digitale akustische Signale. Sie sind entweder onboard (auf dem Motherboard) oder als PCI Steckkarten Bestandteil moderner Multimedia Computer.
Warum dann eine Erweiterung der Hardware?
Ein wichtiges Argument sind die begrenzten Anschlußmöglichkeiten herkömmlicher Soundkarten.
Grundsätzlich unterscheidet man analoge und digitale Anschlüsse.Gerade im analogen Bereich werden die Schwächen deutlich.
Zu analogen Anschlüssen zählen zum Beispiel:
Line-In/Outs für den Anschluß von Mischpulten, Verstärkern, Multieffektgeräten, Digitalrekordern etc..
Mic- Ins  für den Anschluss von Mikrofonen. Mittels integrierter Vorverstärker werden geringere Pegel als bei herkömmlichen Line-Ins verarbeitet. Kondensatormikrofone benötigen zudem eine 48 V - Phantomspeisung und haben XLR Anschlüsse.
Instrument-Ins für den Anschluss von E-Gitarren und Bässen. An Line-Ins würden die Instrumente nicht klingen.

Insofern benötigt man entweder eine Recording - Soundkarte oder ein externes Audio Interface.
Ich arbeite mit einem USB Audio Interface, das TASCAM US-122 L welches über folgende Anschlüsse verfügt:
Zwei Mikrofoneingänge (XLR, mit Phantomspeisung)
Zwei analoge Line Eingänge (einer umschaltbar auf hochohmig für Gitarre, Bass usw.)
Ein Line Ausgang
Ein MIDI-Eingang, ein MIDI-Ausgang
USB-2.0-Schnittstelle (gleichzeitig Stromversorgung)
Phone Out -   Pegelregler für Kopfhörerlautstärke


3. Recording Software / Sequenzer

Was nutzt die beste Hardware ohne die dazugehörende Software. Sie komplettiert den Computer und macht ihn letztendlich zu einer Musikworkstation. Mit Hilfe von Sequenzer Programmen kann man aufnehmen, editieren, arrangieren, abmischen und mastern.
Die Software ermöglicht zudem die Arbeit mit virtuellen Instrumenten mittels integrierter MIDI - Sequenzer.
Im Internet gibt es mittlerweile eine Vielzahl von kostenlosen VST PlugIns mit denen man seine Software erweitern kann. Hier eine Seite mit kostenlosen VST-PlugIns.
Virtuelle Instrumente können über das integrierte Mischpult mit eigenen Aufnahmen abgemischt werden.
Zusätzlich verfügen die Softwarepakete über eine Vielzahl von  Effekten die beliebig erweitert werden können.

Die wohl bekanntesten Software Komplettpakete sind Cubase von Steinberg und Logic von Apple, neben Reason, Live, Samplitude und zahlreichen anderen.
Manche Hersteller von Audio-Interfaces spendieren "abgespeckte" Versionen beim Verkauf Ihrer Produkte. Ich arbeite selbst mit einer solchen - "Cubase VST 5" und es erfüllt meine Anforderungen bestens.



4. Mikrofon



Für die Aufnahme von Gesang oder Instrumenten benötigt man ein Mikrofon. Ich würde immer zu einem Großmembran - Kondensator Mikrofon mit Nierencharakteristik raten. Ich selbst benutze das MXL 990 vornehmlich zur Mikrofonierung meines Gitarrenverstärkers und für Gesang. Ich bin damit sehr zufrieden.




5. Monitorboxen


Bei Musikproduktionen ist ein klangneutrales Lautsprechersystem, welches möglichst alle Frequenzen unverfälscht hörbar macht, zu empfehlen. Optimal sind aktive, magnetisch abgeschirmte  Studiomonitore. Aktive Studiomonitore  haben einen eingebauten Verstärker und sind auf die verbauten Lautsprecher abgestimmt.
Bei mir sind magnetisch abgeschirmte EDIROL MA - 15D Digital Stereo Aktivmonitore (15 Watt) im Einsatz, die ich empfehlen kann.



6. Kopfhörer


Nicht nur im Sinne gutnachbarschaftlicher Beziehungen gehören Kopfhörer zur Grundausstattung eines Homerecording - Studios. Soll für ein Arrangement eine weitere Gesangs-oder Instrumentspur aufgenommen werden, so sollte das mitgehörte Playback das Mikrofon möglichst nicht erreichen. Insofern sind geschlossene Kopfhörer die erste Wahl. 
Bei mir kommen AKG k 121 Studio Kopfhörer zum Einsatz.




Mit den vorgenannten Komponenten sollte man eine gute Arbeitsgrundlage für seine Musikprojekte haben und kann seiner Kreativität freien Lauf lassen. Aufbauend auf dieser Konfiguration kann man je nach wachsenden Bedürnissen Erweiterungen vornehmen ( Effektgeräte, Midikeyboard etc.).